Geschmacksintelligenz – imaginatives Denken in Zwischenwelten
Anlässlich der Ausstellung "Im Inneren der Stadt" MAGAZIN VIENNA im Monat der Fotografie 2009

Der Begriff „Urbanität“ wird allzu oft als lösungsversprechendes Füllwort in der Diskursmakulatur stadtplanerischer Legitimationsstrategien verwendet – und deckt dabei mehr an Inhalt zu, als es zu erklären vermag. Beim Fotografen Martin Bilinovac eröffnet „urban“ eine sensualistische Reflexivität, die uns ein „visuelles Denken“ ermöglicht. Die Geschmacksintelligenz des Fotokünstlers spannt einen Bogen der Imagination, welcher uns die psychisch-ästhetische Verwandlung von privat zu öffentlich gestattet – eine Art Kosmologie von „Zwischenwelten“ der Einbildungskraft. Innere Räume sind es, die uns geboten werden als Terrains für Phantasiepacours – die Routine unsere Projektionsvielfalt erscheint angesichts alltäglicher Wahrnehmungen (wie Fenster, Tür mit Guckloch, Sitzmöbel vor Fenster etc.) plötzlich höchst individualisiert. So lädt uns die Arbeit von Bilinovac zu „Erregungsformen der Gelassenheit“ein, kann mal auch tief unter die Haut gehen, ohne Spuren von „Pickigkeit“ zu hinterlassen – erweisen sich nicht als „Fallen“ für die BetrachterInnen, von den Projektionen des Künstlers vereinnahmt zu werden. Und genau das meint Urbanität in einem weltläufigen Sinne: steht für das Lebensgefühl einer Gesellschaft, welcher die Anonymität der gleichsam die „Adelung“ des Individualismus war – denkt man etwa an die Figur des Flaneur, oder der Flaneuse denkt. Heute schrumpft – in unserer globalisierten Welt – der Individualismus oft auf „mediale Omnipräsenz“, die uns die Medien gestatten: dabei mag das Selbstgefühl wie die Existenz-Atmosphäre von Urbanität (auch außerhalb der Weltstädte) nach und nach verschwinden. Die coolen Urbanitätsbeschwörung von Bilinovac kokettieren kaum mit der Nostalgie eine vergangenen Lebensintensität jene Metropolen von einst: seine Zwischenwelt findet in der Peripherie statt, verwandelt auch das psychisch „Periphere“ zum wesentlichen Agens unserer Aufmerksamkeitsökonomie